Arrr! Als am Samstagabend erneut die Lichter im ausverkauften Stadion erloschen, wussten die

Metal-Piraten sofort: Dies würde keine gewöhnliche Nacht auf hoher See werden. Der zweite Abend der M72-Tour von Metallica setzte die Segel mit voller Breitseite voraus. Kein Lied sollte sich zum Vorabend wiederholen – ein echtes „No Repeat Weekend“, wie es nur die größten Kapitäne des Heavy Metal wagen. Mitten im Stadion thronte die gewaltige Centerstage wie eine eiserne Festung auf stürmischer See, umringt von zehntausenden wilden Seelen, die bereit waren für eine Nacht voller Donner, Feuer und Stahl.

Den ersten Angriff ritten die schwedischen Freibeuter von Avatar. Mit „In the Airwaves“ krochen sie wie dunkle Nebelschwaden über das Deck, ehe „Let It Burn“ die ersten wilden Raufereien im Innenraum entfachte. Frontmann Johannes Eckerström wirkte wie ein verrückter Kapitän eines verfluchten Geisterschiffes – halb Wahnsinniger, halb Zirkusdirektor – und hatte die Mannschaft sofort fest im Griff.

Bei „The Eagle Has Landed“ reckten tausende Matrosen ihre Fäuste gen Himmel, während „Death and Glitz“ wie ein makabrer Tanz auf den Planken daherkam. „The Dirt I’m Buried In“ rollte schwer wie eine gewaltige Sturmfront über das Stadion hinweg. Doch als „Smells Like a Freakshow“ erklang, brach endgültig das Chaos los: springende Piraten, tobende Moshpits und eine Mannschaft, die völlig außer Kontrolle geraten war. Mit „Hail the Apocalypse“ verabschiedeten sich die Schweden schließlich wie triumphierende Korsaren nach erfolgreicher Kaperfahrt.

Doch danach wurde es erst richtig brutal. Pantera enterten die Bühne mit der Wucht einer explodierenden Pulverkammer. Schon „A New Level“ schlug ein wie eine Kanonensalve. „Mouth for War“ und „Strength Beyond Strength“ ließen die Arena erbeben, als würde ein Sturm die Masten zerreißen.

Bei „Becoming“ und „I’m Broken“ verwandelte sich das Innenfeld in ein einziges Schlachtfeld aus kreisenden Piraten und fliegenden Mähnen. „5 Minutes Alone“ donnerte wie ein Faustkampf unter Deck, während „This Love“ die düstere Seite der Mannschaft offenbarte. Doch jegliche Zurückhaltung wurde bei „Fucking Hostile“ endgültig über Bord geworfen. Als „Walk“ angestimmt wurde, sang die gesamte Arena wie eine besoffene Crew in einer Hafenkneipe mit. „Domination / Hollow“ ließ selbst die härtesten Seebären ehrfürchtig verstummen, ehe „Cowboys From Hell“ das Stadion in Schutt und Asche zurückließ.

Dann endlich kam der Moment, auf den alle gewartet hatten.

Die Lichter verloschen. Die Spannung knisterte wie ein Gewitter über schwarzem Wasser. Und plötzlich stürmten Metallica die Centerstage wie eine Crew unaufhaltsamer Piratenkapitäne. Mit „Whiplash“ eröffneten sie sofort das Feuer. Die Arena explodierte förmlich. „For Whom the Bell Tolls“ ließ die Glocken des Untergangs erklingen, während „The Shortest Straw“ die alten Thrash-Metal-Veteranen zum Toben brachte. James Hetfield führte seine Mannschaft mit rauer Stimme und eiserner Präsenz durch die Nacht, während Lars Ulrich hinter seinem Schlagzeug feuerte wie ein Kanonier im Krieg.

Mit „Until It Sleeps“ zog kurz düstere Ruhe auf, ehe „Lux Æterna“ das Stadion wieder in Brand setzte. „Leper Messiah“ klang roh und finster wie ein uralter Fluch aus den Tiefen des Ozeans. Beim traditionellen „Kirk and Rob Doodle“ überraschten Kirk Hammett und Robert Trujillo die Mannschaft mit einer wilden Version von Accepts „Fast as a Shark“ – ein Moment, der besonders die deutschen Metal-Seebären feiern ließ.

Danach wurde es emotional: „Fade to Black“ verwandelte das Stadion in ein Meer aus Lichtern, das wie tausende Laternen auf dunkler See wirkte. „Wherever I May Roam“ fühlte sich an wie die

Hymne eines rastlosen Piratenkapitäns, immer unterwegs auf den endlosen Wellen der Welt. Mit „The Call of Ktulu“ beschworen Metallica schließlich die dunklen Kreaturen aus den Tiefen des Meeres herauf, ehe „The Unforgiven“ für einen der emotionalsten Momente des gesamtenWochenendes sorgte. Doch lange blieb keine Zeit zum Verschnaufen: „Whiskey in the Jar“ wurde zur gigantischen Saufhymne für die gesamte Arena.

Dann gab es kein Halten mehr. „Blackened“ raste wie ein Sturmorkan durch die Nacht, „Moth Into Flame“ setzte das Stadion erneut in Brand und bei „One“ explodierte die Bühne unter Feuer, Explosionen und Maschinengewehrsalven, als hätte ein Kriegsschiff das Feuer eröffnet.

Zum Abschluss erklang schließlich „Enter Sandman“. Zehntausende Stimmen sangen jede Zeile mit, während Feuerfontänen den Himmel erleuchteten und Metallica ihre letzte Breitseite abfeuerten.

So endete der zweite Abend der M72-Tour wie eine legendäre Piratenschlacht: laut, chaotisch, gewaltig und voller Geschichten, die noch lange in den Tavernen der Metalwelt erzählt werden dürften.