INGS OF RAP – Wenn der Schiffenberg zum Rap-Thron wird
27. Juni 2026 | Kloster Schiffenberg, Gießen | Gießener Kultursommer
Wer behauptet, dass alte Klostermauern nur für Kirchenmusik, Mittelalterromantik und beschauliche Sommerabende taugen, war am 27. Juni definitiv nicht auf dem Schiffenberg.
Denn dort wurden die heiligen Mauern ordentlich mit Bass, Beats und Deutschrap gefüttert.
„Kings of Rap“ stand auf dem Programm – und der Name war an diesem Abend durchaus Programm. Der Gießener Kultursommer hatte mit YAKO OK, AZAD, VEGA und Kool Savas ein Paket geschnürt, das Deutschrap-Vergangenheit und Gegenwart ziemlich kompromisslos aufeinandertreffen ließ.
Und ich sag’s direkt: Das Ding hatte Bock.
Erst einmal rein ins Getümmel
Um 17:30 Uhr öffneten sich die Tore. Nach und nach strömten die Rap-Fans auf das historische Gelände. Vom jungen Nachwuchsfan bis zum eingefleischten Deutschrap-Veteranen war alles vertreten.
Und genau das machte den Abend interessant.
Hier standen Leute, die wahrscheinlich noch mit den alten Savas-Tracks groß geworden sind, neben Fans, die Deutschrap heute über Streaming und Social Media entdecken. Unterschiedliche Generationen, gleiche Leidenschaft.
Noch war es relativ entspannt.
Aber das sollte sich ändern.
YAKO OK – 40 Bars und direkt auf Angriff
Um 19:15 Uhr fiel der Startschuss mit YAKO OK.
Und der Gute hatte offensichtlich keine Lust auf langes Vorgeplänkel. Mit „Intro & 40 Bars“ ging es los, gefolgt von „Nichtmehr Arbeiten“ und einem Unreleased Track.
Man merkte schnell: Hier sollte das Publikum nicht erst langsam warm werden – hier wurde direkt Druck gemacht.
Mit „Alles Egal“ und „Herz“ zeigte YAKO OK anschließend auch seine etwas andere Seite, bevor mit „Okay Lets Go“ ein besonderer Moment folgte.
Der Song, den er gemeinsam mit Kool Savas gemacht hat, wurde an diesem Abend von YAKO OK allerdings alleine auf der Bühne performt.
Noch war vom späteren Headliner nichts zu sehen – aber sein Name war bereits im Set präsent.
Das Publikum wurde auf Betriebstemperatur gebracht. Erste Hände gingen nach oben, die ersten Köpfe nickten im Takt und die gemütliche Open-Air-Stimmung war endgültig Geschichte.
Das war kein Kaffeekränzchen auf dem Schiffenberg.
Das war Rap.
AZAD – Frankfurter Straßenrap trifft Schiffenberg
Um 19:45 Uhr wurde es dann ernst: AZAD betrat die Bühne.
Der Frankfurter Rapper gehört zweifellos zu den Künstlern, die Deutschrap nachhaltig geprägt haben. Mit seinem kompromisslosen Stil, seiner markanten Stimme und seinen persönlichen Texten brachte er eine ganz eigene Atmosphäre mit nach Gießen.
AZAD lieferte genau das, was die Fans erwarteten: ehrlichen, direkten Rap ohne unnötigen Schnickschnack. Hier wurde nicht lange gefackelt – Mikro an, Beat läuft und ab dafür.
Mit „Dieser Weg“, „Apex“, „Roberto Carlos“ und „In der Hood“ ging es direkt weiter. Danach wurden mit „15 Schuss“ und „Conor McGregor“ noch einmal ordentlich die Muskeln spielen gelassen.
AZAD brachte diese ganz eigene Mischung aus Straßenrap, Härte und persönlicher Attitüde mit. Seine markante Stimme sorgte dafür, dass selbst die historischen Mauern des Schiffenbergs plötzlich ein bisschen gefährlicher wirkten.
Besonders interessant: AZAD präsentierte auch mehrere Songs aus seinem neuen Album „Der Bozz 3“.
Damit blieb der Auftritt nicht einfach eine Reise zurück in die Deutschrap-Vergangenheit. AZAD zeigte, dass die Geschichte weitergeschrieben wird.
Zum Abschluss gab es mit „Prison Break Anthem“ noch einmal einen ordentlichen Schlag ins Gesicht – musikalisch natürlich.
Frankfurt hatte geliefert.
Und zwar ohne Sicherheitsgurt.
VEGA – Wenn Frankfurt Geschichten erzählt
Um 20:30 Uhr übernahm VEGA.
Und auch hier wurde schnell klar: Dieser Abend war nicht einfach nur eine Aneinanderreihung bekannter Namen.
VEGA lieferte sein Set mit seinem Bruder NIO AB und brachte dabei seine ganz eigene Atmosphäre auf die Bühne.
Mit „IRGENDJEMAND WIE DU“ und „Winter in Frankfurt“ wurde es persönlicher. Hier ging es weniger um reine Härte, sondern um Geschichten, Emotionen und das Leben, das hinter den Texten steckt.
Dann bekam NIO selbst seinen Moment.
Mit „Exzessiv“ präsentierte er einen Song, der musikalisch durchaus überraschte. Denn der Track schlug deutlich stärker in Richtung Rock und Punk aus.
Und genau solche Momente machen ein Festival- bzw. Open-Air-Line-up interessant.
Man weiß vorher nie ganz genau, was einen erwartet.
Und plötzlich steht da ein Rapper auf der Bühne und schiebt einen Rock-Punk-Brett raus.
Warum nicht?
Das Publikum nahm es dankbar an und die Stimmung war inzwischen endgültig auf Anschlag.
Jetzt fehlte eigentlich nur noch einer.
KOOL SAVAS
Der King übernimmt den Thron
21:35 Uhr.
Die Spannung auf dem Schiffenberg steigt.
Dann betritt Kool Savas die Bühne.
Der Name, der dem Abend seinen Titel gibt.
Der Künstler, der seit Jahrzehnten zu den prägenden Figuren des deutschen HipHop gehört.
Und spätestens jetzt wird klar, warum die Veranstaltung „Kings of Rap“ heißt.
Savas eröffnet sein Set mit dem Intro, bevor „Rapkiller“ und „Berlin“ folgen.
Mit „Futurama“ wird das Tempo weiter angezogen.
Während der Doubletime-Passage fliegt eine große Ladung Konfetti in Richtung Publikum.
Die Crowd reagiert sofort.
Der Schiffenberg verwandelt sich endgültig in eine große HipHop-Party.
ALLE SCHIEBEN OPTIK
Feuer auf dem Schiffenberg
Mit „Alle schieben Optik“ wird die Show noch einmal größer.
Jetzt kommt Pyrotechnik zum Einsatz.
Feuer auf der Bühne, Licht und eine immer ausgelassenere Crowd sorgen für einen der spektakulärsten Momente des Abends.
Danach folgt „King of Rap“.
Der Titel wirkt in diesem Moment wie eine direkte Ansage.
Mit „Mona Lisa“ geht die Show weiter.
Kool Savas bewegt sich dabei sicher durch verschiedene Phasen seiner Karriere und verbindet Klassiker mit einer modernen Bühnenproduktion.
MONSTER SHIT
AZAD UND KOOL SAVAS GEMEINSAM AUF DER BÜHNE
Einer der Höhepunkte des Abends folgt, als AZAD erneut die Bühne betritt.
Gemeinsam mit Kool Savas performt er „Monster Shit“.
Zwei prägende Figuren des deutschen Rap stehen gemeinsam vor dem Gießener Publikum.
Es folgen „All4 One“ und „Immer wenn ich Rhyme“.
Damit wird der Grundgedanke des Abends besonders deutlich:
Deutschrap-Geschichte steht nicht im Museum – sie steht live auf der Bühne.
FOTOMOMENT DES ABENDS
AZAD und Kool Savas gemeinsam im Bühnenlicht – zwei prägende Stimmen des deutschen HipHop auf einer Bühne.
Anschließend geht es mit Savas und seiner Crew weiter.
„Rhythmus meines Lebens“, „Deine Mutter“ und „AMG“ sorgen für weitere Bewegung im Publikum.
Die Stimmung ist mittlerweile völlig ausgelassen. Es wird getanzt, mitgerappt und gefeiert.
Dann verabschiedet sich Kool Savas scheinbar von der Bühne.
Doch das Konzert ist noch nicht vorbei.
Ein Mikrofonwechsel steht an.
Das neue Mikrofon hat allerdings ein kleines Problem:
Die Batterien sind leer.
Die ungeplante technische Pause wird mit Humor genommen und entwickelt sich eher zum sympathischen Live-Moment als zum Ärgernis.
Denn genau solche Situationen gehören zu einem echten Konzertabend.
Nicht alles läuft nach Plan.
Und manchmal braucht selbst ein King einfach neue Batterien.
AURA
Wenn die Pyro-Abteilung noch einmal zuschlägt
Nach dem kurzen technischen Zwischenfall geht es weiter mit „Aura“.
Beim Wort „Aura“ kommt erneut die Pyrotechnik zum Einsatz.
Feuer schießt auf der Bühne nach oben, während die Crowd vor der Bühne weiter feiert.
Ein weiterer visueller Höhepunkt einer Show, die inzwischen alle Register zieht.
UND DANN KAM ESSAH
Konfetti zum großen Finale
Zum Abschluss folgt „Und dann kam Essah“.
Und natürlich bleibt es nicht beim musikalischen Finale.
Noch einmal wird eine große Ladung Konfetti in die Crowd geschossen.
Damit endet die Show genau so, wie sie sich im Laufe des Abends entwickelt hat:
laut, energiegeladen und ausgelassen.
Das Publikum tanzt, feiert und rappt bis zum Schluss.
FAZIT
Ein Abend, der seinem Namen gerecht wurde
„Kings of Rap“ war mehr als eine reine Aneinanderreihung bekannter Namen.
Der Abend funktionierte vor allem durch die Mischung verschiedener Generationen und Stile.
YAKO OK eröffnete mit frischer Energie und zeigte, wohin sich Deutschrap weiterentwickeln kann.
AZAD verband seine Klassiker mit neuem Material von „Der Bozz 3“ und unterstrich einmal mehr seine Bedeutung für die Frankfurter und deutsche Rap-Szene.
VEGA brachte gemeinsam mit NIO persönliche Töne und mit „Exzessiv“ einen überraschenden Rock-Punk-Moment auf die Bühne.
Und dann übernahm Kool Savas.
Mit Klassikern, AZAD als Gast, Pyrotechnik, Konfetti und einer Show, die das Publikum bis zur letzten Minute in Bewegung hielt.
Besonders die gemeinsamen Momente von AZAD und Kool Savas machten deutlich, was diesen Abend auszeichnete: Hier wurde Deutschrap-Geschichte nicht einfach zitiert.
Sie wurde live gefeiert.
„Kings of Rap“ verband Deutschrap-Geschichte und Gegenwart auf einer Bühne und verwandelte den Schiffenberg für einen Abend in einen energiegeladenen Rap-Schauplatz.
Die Mischung aus Klassikern, neuem Material, gemeinsamen Auftritten und spektakulären Showmomenten funktionierte.
Ein Abend für die Fans – und ein starkes Statement dafür, dass Deutschrap auch nach Jahrzehnten noch ordentlich Druck auf den Kessel bringen kann.
SKULL AND BONES SCHLUSSZEILE
Alte Mauern. Harte Beats. Pyro. Konfetti im Himmel.
Der Schiffenberg hat an diesem Abend keinen stillen Sommerabend erlebt.
Er hat Deutschrap erlebt.
DER KING HAT DAS MIKRO ÜBERNOMMEN – UND DER SCHIFFENBERG HAT GEWACKELT.
SKULLS UP. MICS DOWN. GAME OVER.
Text & Fotos: Michael Vogel
Skull And Bones Magazine













































































