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CORONATUS – „Dreadful Waters“ im Review

Setzt euch, ihr Seefahrer, denn „Dreadful Waters“ ist kein Album für Nebenbei-Hörer oder schwache Nerven. CORONATUS laden nicht zu einem harmlosen Bad im Küstenwasser ein – sie zerren dich mit voller Wucht hinaus auf offene See, dorthin, wo der Kompass spinnt und Mythen lebendig werden.

Von der ersten Strömung „The Maelstrom“ an wird klar: Dieses Werk will als Ganzes gehört werden. Die Songs greifen ineinander wie Taue an Deck, thematisch wie musikalisch. Wer hier wild skippt, riskiert Schiffbruch. Besonders stark ist die konsequent durchgezogene maritime Dramaturgie – keine bloße Piratenromantik, sondern ein ernsthafter, fast schon philosophischer Blick auf das Meer als Spiegel menschlicher Abgründe.

Die Doppel-Mezzosoprane von Leni Eitrich und Sabine Prechtel sind das leuchtende Nordlicht dieses Albums: majestätisch, düster, manchmal tröstend, manchmal bedrohlich. In Kombination mit der raueren Rockstimme von Nemesis entsteht ein Spannungsfeld, das Tracks wie „The Siren“ oder „Southern Cross“ besonders intensiv wirken lässt. Die Violine fügt eine folkloristische Salzigkeit hinzu, die niemals kitschig wirkt, sondern die Seefahrer-Atmosphäre weiter vertieft.

Musikalisch zeigt sich die Band mutiger als auf „Atmosphere“. Die Arrangements sind dichter, experimenteller, stellenweise sperrig – doch genau das macht den Reiz aus. Stücke wie „A Seaman’s Yarn“ oder „Dark Ice“ entfalten ihre Wirkung erst nach mehreren Durchläufen, belohnen dann aber mit Tiefe und Detailreichtum. Das Finale „Die Hexe und der Teufel“ setzt schließlich einen düsteren, fast rituellen Schlusspunkt, der lange nachhallt.

Die Produktion aus der Klangschmiede Studio E ist klar, kraftvoll und dennoch organisch. Markus Stock sorgt dafür, dass selbst in den dichtesten orchestralen Passagen nichts untergeht – jedes Instrument hat seinen Platz, jede Welle ihre Richtung.

Fazit:
„Dreadful Waters“ ist ein ambitioniertes, atmosphärisch starkes Konzeptalbum, das Geduld und Aufmerksamkeit fordert – und genau dafür reich belohnt. Kein schnell konsumierbarer Beutefund, sondern ein schwerer Schatz, der Tiefe hat und Gewicht. Ein kleiner Schädel Abzug bleibt nur, weil die Komplexität nicht jeden sofort an Bord holt.

☠️☠️☠️☠️ von 6 möglichen Schädeln
Ein düsteres, kraftvolles Seestück, das CORONATUS endgültig als Meister der symphonischen Tiefsee bestätigt.