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Jäst – Das neue Album „Jästified“ im Review

Arrr, ich bin hin- und hergerissen wie ein Schiff im Sturm! Wenn man mich bittet, ein Auge auf ein neues Werk zu werfen, dann tu ich das meist mit einem Schluck Rum mehr im Herzen und einem wohlwollenden Blick. Doch dieses Mal, aye… dieses Mal knarrt das Gebälk gewaltig.

Die Crew von JÄST, vier Mann – äh, Seelen stark, sticht mit „Jästified“ am 17. April 2026 in See. Vier Buchstaben, eine Mission – fast so legendär wie ABBA, nur dass hier kein glitzernder Euro-Pop durch die Segel weht, sondern „80s AOR Reboot“, wie sie selbst schwören. Und bei den Namen an Bord – Jessica Conte am Gesang, Axel „Ironfinger“ Ritt an der Axt, Steven Wussow am Bass und Timmi Breideband an den Trommeln – erwartet man ein Schiff, das durch jede Brandung pflügt.

Der erste Windstoß, „Heartlight“, trägt das Schiff sauber aus dem Hafen: eingängig, geschniegelt und mit einem Refrain, der sich festsetzt wie Seetang am Kiel. Ein guter Anfang, aye! Mit „Kiss Yourself Goodbye“ kommt dann ordentlich Druck in die Segel – düster, kantig, mit Biss. Hier zeigt sich, was dieses Schiff hätte sein können: ein echter Rock-Kreuzer!

Doch dann – bei allen sieben Weltmeeren – verliert die Crew den Kurs. „Do You Wanna Dance“ nimmt den Wind komplett aus den Segeln. Zu weich, zu zahm, und das Solo wirkt, als hätte der Steuermann zu tief ins Rumfass geschaut. Von da an treibt das Schiff stellenweise orientierungslos dahin: „A Love Like That“, „An Ode To Infinity“ und „Road Of Destiny“ schippern im ruhigen Soft-Rock-Gewässer. Nicht schlecht, versteht mich nicht falsch – aber ohne die nötige Schärfe, ohne Flagge, die man aus der Ferne erkennt.

Zum Glück gibt’s noch Gold in der Truhe! „Sweet Gasoline“ bringt endlich wieder Feuer unter Deck – ein echter Kracher, der die Kanonen sprechen lässt. Auch „I Can See Clearly Now“ zeigt mehr Leben und Spielfreude.

Doch das Cover von „Like The Way I Do“ (im Original von Melissa Etheridge) lässt mich eher die Augenklappe tiefer ziehen. Wo das Original lodert wie ein brennendes Schiff, bleibt diese Version erstaunlich lau. Nett gemeint, aye – aber kein Treffer.

Gegen Ende fängt sich die Crew nochmal: „In The Thrill Of The Night“ findet eine gute Balance zwischen Melodie und Rock, bevor „Ten Years Plan“ das Ganze solide, aber ohne großes Donnern ausklingen lässt.


Fazit eines alten Freibeuters:

„Jästified“ ist wie ein Schiff ohne klaren Kurs. Mal ein kraftvoller Rocker, mal zu weich gespült von ruhigen Gewässern – die Mannschaft scheint sich nicht entscheiden zu können, wohin die Reise gehen soll. Mit mehr Mut zur klaren Linie hätte das ein echter Schatz werden können.

Doch eines sag ich euch: Live, aye, LIVE wird diese Crew die Segel anders setzen. Da wird der Wind stärker blasen, die Riffs härter knallen und der Female-Fronted-Rock seine volle Kraft entfalten – darauf verwette ich meinen letzten Goldzahn!

Und immerhin: Alles handgemacht, keine faulen Tricks, kein Maschinenzauber – jede Note ehrlich erspielt wie es sich für echte Piraten gehört.


☠️☠️☠️⚪⚪⚪ (3 von 6 schwarzen Schädeln)

Drei schwarze Schädel für „Jästified“ – ein Werk mit starken Momenten und ordentlich Talent an Bord, aber geplagt von Kurslosigkeit und zu vielen Flauten zwischen den Stürmen. Mit klarerem Kurs hätte es gut und gerne zwei Schädel mehr erbeuten können.

Arrr… ausbaufähig, ihr Freibeuter!