TABERNIS-„Seasons of the Dark Hive“ Album im Review
Arrr… ich hab die Nadel auf die Rille gesetzt und bin tief hinabgestiegen in den dunklen Bienenstock von TABERNIS – und was dort summt, ist nichts für gewöhnliche Landratten.
„Seasons of the Dark Hive“ ist kein Album, das man einfach nebenbei hört. Es ist ein Ritual. Ein langsames Eintauchen in eine Welt, in der Zeit keine Rolle mehr spielt und jeder Ton wie ein uraltes Echo aus längst vergessenen Tagen wirkt. Mit nichts als Dudelsack, Trommel und wenigen, gezielten Klangverzierungen erschafft das Duo eine Atmosphäre, die gleichzeitig minimalistisch und überwältigend ist.
Schon früh wird klar: Hier geht es nicht um eingängige Refrains oder moderne Strukturen. TABERNIS setzen auf Wiederholung, Trance und Stimmung. Stücke wie „Sanctus“ oder „Tenebrae“ wirken wie Beschwörungen – sie bauen sich langsam auf, ziehen dich hinein und lassen dich nicht mehr los. Dabei entsteht ein fast hypnotischer Sog, der einen komplett vereinnahmt, wenn man sich darauf einlässt.
Besonders stark ist die Verbindung zur Geschichte: Mit „Mel Obscurum (Palästinalied)“ zeigen TABERNIS Respekt vor dem mittelalterlichen Erbe und integrieren es nahtlos in ihr eigenes Klanguniversum. Das fühlt sich nie wie ein Fremdkörper an, sondern wie ein weiterer Baustein dieses düsteren Rituals.
Der große Moment kommt mit „Apes Saltis“ am Ende. Feierlich, ruhig und fast melancholisch wirkt das Finale wie das Erlöschen eines Feuers nach einem langen Fest. Es ist kein bombastischer Abschluss – sondern ein bewusstes Zurückziehen. Und genau das passt perfekt zur Idee der „Ernte“ und des Rückzugs in die Dunkelheit.
Doch so faszinierend dieses Werk ist, so fordernd ist es auch. Wer Abwechslung, klare Songstrukturen oder moderne Hooks sucht, könnte sich hier schnell verlieren. Dieses Album verlangt Geduld – und die Bereitschaft, sich wirklich darauf einzulassen.
Unterm Strich ist „Seasons of the Dark Hive“ ein mutiges, eigenständiges Debüt, das weniger unterhalten als vielmehr verzaubern will. Für Fans von atmosphärischem Folk und rituellen Klangreisen ein echter Schatz – für alle anderen vielleicht ein zu dichter Nebel.
Bewertung: ☠️☠️☠️☠️☠️ (5 von 6 schwarzen Schädeln)



